Interview | 3D-Modell Design

Stand des Interviews
21. September 2018

Als allererstes muss man hier zum Verständnis festhalten, dass ich im CAD-Bereich hauptberuflich selbstständig bin, also nicht nur OMSI Add-ons entwickle. Weiterhin habe ich – wie einigen bekannt sein sollte – an  einigen Add-ons mitgewirkt, wo ich nicht immer die „Entscheidungsgewalt“ über den umzusetzenden Content habe. Im Rahmen der Selbstständigkeit kann man sich also nicht immer aussuchen, was man tun möchte – meist ist man an Vorgaben des Auftraggebers gebunden. „Eigene“ Modelle oder Add-ons zu entwickeln ist also eher ein Luxus als die Norm, da ich zeitlich oft und stark in andere Projekte eingebunden bin. Wenn ich also die Zeit finde, an eigenen Projekten zu schrauben, sind dies meist Umsetzungen, die mich in irgendeiner Form in meiner Kindheit geprägt haben. Ich bin mittlerweile stolze 26 Jahre alt, eingeschult wurde ich im Jahr 1998. Damals hat mich ein MAN SG 292 zum Schwimmbad gebracht, ein MAN NM223, NL262 oder oder NG312 zur Schule. Mit zunehmenden Alter wurde auch der Wagenpark neuer, so kamen im Jahr 2003 und 2005 insgesamt 16 Fahrzeuge vom Typ Solaris Urbino 18 II zu den Dresdner Verkehrsbetrieben, welche mich dann jeden Morgen zum Gymnasium hin- und auch wieder zurückgebracht haben. Ebendiese Fahrzeuge bleiben einem im Hinterkopf, man verbindet Gespräche mit Kumpels, Ausflüge und den Schulweg mit Ihnen. Der Wunsch, diese Fahrzeuge ins virtuelle zu holen war die Grundlage der Entwicklung der MAN Stadtbusfamilie, und genau dieser Wunsch war auch die Grundlage für die Entwicklung der Urbinoreihe der 2. Generation. Richtig ernst wurde die Angelegenheit mit einer Sonderfahrt am 01.04.2017, wo wir ein Referenzfahrzeug einen ganzen Tag begleiten konnten und viele Sound-, Video- und Tonaufnahmen entstanden sind. Dieser Tag war auch der Grundstein für die Entwicklung. In diesem Zusammenhang möchte ich auch den Organisatoren unserer Sonderfahrt nochmals einen großen Dank aussprechen, ohne Sie wäre das Projekt nicht in diesem Umfang umsetzbar gewesen!

Auch wenn die Fahrzeuge vom gleichen Hersteller sind, Ist Urbino nicht gleich Urbino. Die Fahrzeuge von Alterr stellen die 3. Fahrzeuggeneration dar, welche ab 2006 ausgeliefert wurde und fast ein Jahrzehnt optisch unverändert blieb. Das kommende Add-on stellt allerdings die 2. Bauserie dar, welche den Zeitraum zwischen 2001/2002 und 2005 beschreibt. Charakteristisch für die 2. Generation ist vorallem die Stark abgerundete Dachkante, welche eher an ein Toastbrot als einen Bus erinnert. Auch das Lampendesign war zur damaligen Zeit recht abenteuerlich, meiner Meinung nach aber eine gelungene Abwechslung zum MAN/Mercedes Einheitsbrei. Aufgrund der Zugehörigkeit zum gleichen Unternehmen wird es durchaus Gemeinsamkeiten geben, keine Frage, allerdings auch einige Unterschiede. Ein guter Vergleich wäre hier der MAN A21 vor der Lions City Ära und der A21 als Lions City. Beides MAN, beides Stadtbusse, aber doch – vorallem optisch – weitestgehend unterschiedlich.

Es ist schwierig, hier eine genaue Aussage zu treffen. Für mich – als Entwickler der Fahrzeuge – bedeutet z.bsp. ein Kassensystem einen immensen Aufwand, für den Nutzer später ist es „nur“ eine Kasse. Aus Entwicklersicht ist das Fahrzeug das komplexeste Produkt für OMSI, welches ich geschaffen habe – für den Endnutzer wird es vom Umfang der Stadtbusfamilie ähneln. Einige Funktionen fallen weg, dafür kommen andere als alternative - lasst euch einfach überraschen!

Der Preis ist noch nicht festgelegt und richtet sich nach dem angebotenen Umfang. Was ich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen kann:
Das Add-on wird nicht teurer als die Stadtbusfamilie. Wer sein Geld in dieser schon gut investiert sah, wird auch beim Solaris wieder auf seine Kosten kommen. 🙂

Eine Lizenzierung gestaltet sich leider weiterhin schwierig. Anfragen – sowohl telefonisch als auch schriftlich – an deutsche Vertreter verlaufen stets im Sand, eine direkte Kommunikation mit Solaris ist aufgrund der Sprachbarriere schwierig und hat bisher zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt. Bussimulationen sind leider ein Nischenmarkt und haben keinen positiven Einfluss auf die Firma dahinter. Ein Spiel generiert dem Unternehmen keinen Absatz, keine Reichweite, keine neuen Kunden – nur Enthusiasten wie wir Spieler und Entwickler profitieren von der durch die Lizenzierung gewonnene Immersion. Die Szene ist einfach zu klein, um hier wirklich was bewegen zu können und die Gewinne aus einem Add-on zu gering, um horrende Lizenzierungskosten zu decken. Der aktuelle Stand sieht keine Lizenzierung der Modelle vor, sollte sich hieran was ändern, werde ich das garantiert mitteilen!

Das Add-on wird natürlich weiterhin gepflegt und gepatched. Inhalte werden allerdings keine weiteren folgen, das Projekt hat schon jetzt einen größeren Umfang als die MAN Stadtbusfamilie. Weiterhin wurde die Scriptlogik der Fahrzeuge zum großen Teil von Grund auf neu entwickelt, was Inkompatibilitäten zwischen Fahrzeugscripten ausschließt. Wenn alles nach plan läuft, sollte es also gar keine Notwendigkeit für Patches geben.

Alle weiteren Fahrzeuge, die im Rahmen der MAN Stadtbusfamilie noch möglich wären, würden einen großen Umbauaufwand bedeuten – vorallem dann, wenn die Modularität bestehen bleiben soll. Für Midibusse müsste man nicht nur die Fahrzeuglänge verändern, sondern auch die Breite – was quasi einem Neubau gleicht. Das gleiche gilt für die Vorserie, welche vorallem in Innenraum und der Fahrzeugoptik große Unterschiede hat. Ein weiterbau wäre nur möglich, wenn man diese Fahrzeuge erneut monetarisiert – quasi ein Stadtbus 2.0 mit Midibussen und der Vorserie. Eine Wiederverwertung von ganzen Fahrzeugen als neues Produkt kommt für mich allerdings nicht in Frage, da ich der Meinung bin, dass man für sein Geld auch vernünftige Inhalte bekommen sollte und kein aufgewärmtes Mittagessen vom Vortag. Die MAN Stadtbusfamilie wird also leider keine neuen Inhalte mehr erhalten. ☹

Ja, auch dieses Fahrzeug wird wieder die Funktionalität besitzen, Module – wie bei der Stadtbusfamilie – im Fahrzeug oder übers Repaint festzulegen und auszutauschen.

Das Fahrzeug geht Ende September in die Betaphase, wo alle Probleme ausgemerzt werden. Geplant ist weiterhin ein Release im Herbst 2018, allerdings besteht für dieses Projekt keine Deadline, sodass es auch etwas länger dauern kann – und ich glaube es beschwert sich keiner, wenn nach etwas längerer Wartezeit ein Fahrzeugmodell mehr existiert, oder? 😉
Veröffentlicht wird allerdings aufjedenfall noch im Jahr 2018, das steht fest.

Für OMSI wird es wohl das letzte Add-on gewesen sein, sofern ich nicht noch eine Sonderfahrt für einen Setra SG321UL und S315NF organisiert bekomme.
Für andere Spiele existieren aber schon Handfeste Pläne und bereits fertiger Content, der nur darauf wartet, genutzt zu werden – mehr dazu , wenn die Zeit dafür Reif ist.

Wie einige eventuell wissen, bin ich mit dem Umgang der Entwickler
von LOTUS gegenüber der Community und ihren Anwendungen , vorallem im Bezug zu OMSI, nicht zufrieden. Kritische Stimmen – auch wenn sie nerven oder einen wunden Nerv treffen – werden nicht ernst genommen und lieber ignoriert als produktiv diskutiert. Schaue ich mir in diesem Zusammenhang die EULA von LOTUS an, welche explizit Drittanbietersoftware verbietet und zu Vertragsstrafen führt, wenn diese nicht explizit mit den Entwicklern des Hauptprogramms abgesprochen sind, wirkt das auf mich wie eine Art Zensur. Im Zweifel fallen hier noch Lizenzgebühren an, die vom Entwicklererlös an die Spieleentwickler ausgeschüttet werden, um ein Steam-Depot für sein Add-on einzurichten. Das ganze dann noch in Kombination mit dem Kontrollsystem auf dem offiziellem Multiplayerserver macht eine Entwicklung für das Spiel – zumindest aus meiner Sicht – nicht wirklich attraktiv. Ich möchte nicht, dass mir jemand vorschreibt, was ich zu tun und zu lassen habe, nur damit ich die entsprechende Plattform nutzen kann. Man muss hier einfach auch irgendwo wirtschaftlich Denken – ist eine Entwicklung für LOTUS unter den schwierigen Startbedingung für Außenstehende wirklich attraktiv, vorallem finanziell? Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, dementsprechend ist auch nichts für LOTUS geplant oder in Entwicklung. Ich bin einfach kein passender Entwickler für LOTUS und das Team dahinter und LOTUS ist nicht die passende Platform für mich.
Das bedeutet allerdings nicht, dass es von mir nichtsmehr im Simulationsbereich geben wird. LOTUS ist ja nicht die einzige Platform, die existiert oder existieren wird, eventuell wage ich mich auch mal an ein eigenes Spiel oder steuere Content für zukünftige, andere Projekte bei? Wir werden sehen, was uns die (nahe) Zukunft bringt. 😊

Stand des Interviews
21. September 2018

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